Wer als Werkzeug nur einen Hammer zur Verfügung hat,
dem werden alle Probleme zu Nägeln.
(anonym)

Weisheitsgeschichten


Mulla Nasrudin saß in einem Teehaus als ein guter Freund aufgeregt zu ihm kam. „Ich werde heiraten“, verkündete sein Freund, “und ich bin so aufgeregt. Mulla, hast du selber jemals ans Heiraten gedacht?“
Nasrudin antwortete: „Ich dachte in der Tat daran, zu heiraten. In meiner Jugend wünschte ich mir es sogar sehr stark. Ich wartete darauf, dass ich die perfekte Frau für mich finden würde. Ich reiste umher auf der Suche nach ihr, zuerst nach Damaskus. Dort traf ich eine schöne Frau, sie war anmutig, gütig und zutiefst spirituell, aber sie besaß kein weltliches Wissen. Ich reiste weiter und ging nach Isfahan. Dort traf ich eine Frau, die sowohl weltlich als auch spirituell und in vieler Hinsicht schön war, aber wir konnten uns nicht so gut verständigen. Schließlich ging ich nach Kairo, wo ich sie nach langem Suchen fand. Sie war tief spirituell, anmutig und schön in jeder Hinsicht, zu Hause in der Welt und zu Hause in den Bereichen des Jenseits. Ich fühlte, dass ich die perfekte Frau gefunden hatte.“
Sein Freund fragte weiter:“Und hast du sie nicht geheiratet, Mulla?“
„Leider nicht“, sagte Nasrudin, während er den Kopf schüttelte, „denn unglücklicherweise wartete sie auf den perfekten Ehemann.“
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Eine Frau kam aufgeregt zum Rabbi ihrer Gemeinde und klagte ihm ihr Leid: „Rabbi, was soll ich tun? Nun bin ich schon so viele Jahre verheiratet und mein Mann benimmt sich nicht so, wie es von einem guten Mann zu erwarten ist. Oft kommt er zu spät nach Hause, treibt sich mit seinen Freunden herum. Auch wenn er da ist, kümmert er sich nicht um mich, ist mürrisch und wortkarg. Man kann mit solch einem Mann nicht leben. Ich halte das nicht mehr aus!“ Der Rabbi hörte schweigsam zu, besann sich eine Weile und sagte schließlich:“Ja, Frau da hast du recht.“
Nur wenige Tage danach erschien der Ehemann der klagenden Frau bei ihm und sagte:“ Rabbi, was soll ich tun? Es ist nicht zum aushalten mit meiner Frau. Nie ist sie zufrieden, meine Freunde verachtet sie und zu Hause macht sie mir das Leben zur Hölle. Ich habe mir alle Mühe gegeben und weiß nicht mehr ein noch aus. So kann es nicht mehr weitergehen!“
Erneut besann sich der Rabbi, lies die Worte auf sich wirken und sprach nach längerem Schweigen:“ Ja, da hast du recht.“
Schon am folgenden Tag, stand die Frau aufgeregt an seiner Tür. Sobald er öffnete, überfiel sie ihn mit einem entrüsteten Wortschwall:“ Rabbi, was soll ich von dir halten! In meiner tiefen Not habe ich mich an dich gewandt, um Beistand in meiner schweren Ehe von dir zu bekommen. Nachdem ich dir erzählte, wie es mir ging, hast du mir gesagt, dass du mir recht gibst und ich konnte fortan mein Los besser tragen. Nun muss ich hören, dass mein Mann bei dir war, um über mich zu klagen. Und das ist ja auch gut so, schließlich bist du ja auch sein Rabbi. Doch dann muss ich hören, dass du ihm ebenfalls recht gegeben hast! Wie konntest du das tun? Was bist du für ein Rabbi? Ich weiß nicht mehr, warum ich dich überhaupt noch um Rat fragen sollte!“
Der Rabbi hörte aufmerksam zu, bedachte das Gesagte, nickte schließlich und antwortete:“Ja, du hast recht.“